Der letzte Geburtstagswunsch
Die neunjährige Isabel stand kurz vor ihrem Geburtstag. Eigentlich ein Tag voller Vorfreude, doch in ihrem Herzen überwog die Traurigkeit. Ihre geliebte Oma Christine war schwer erkrankt und wurde seit einigen Wochen auf einer Palliativstation betreut. Isabel hatte nur einen einzigen Geburtstagswunsch: Sie wollte ihre Oma an ihrer Seite haben. Gemeinsam Geschenke auspacken, lachen, Zeit miteinander verbringen und ihre Nähe spüren.
Als das Krankenhaus unseren Verein Rollende Engel kontaktierte, war für unsere ehrenamtlichen Wunscherfüller keine Minute zu verlieren. Innerhalb weniger Stunden war alles organisiert. Ingrid, Sandra und Florian machten sich auf den Weg, um Christine ihren Herzenswunsch zu erfüllen.
Im Krankenhaus trafen sie auf eine schwer kranke Frau. Doch hinter ihrer körperlichen Schwäche verbarg sich eine unglaubliche Freude. An ihrer Seite war ihr Sohn Andreas, der seine Mutter liebevoll begleitete und während des gesamten Tages nicht von ihrer Seite wich.
Zu Hause wartete bereits die ganze Familie. Der Tisch war liebevoll gedeckt, Kaffee und Kuchen standen bereit, und auch unsere ehrenamtlichen Wunscherfüller wurden herzlich aufgenommen.
Dann kam der Moment, auf den alle gewartet hatten.
Isabel betrat das Wohnzimmer. Als sie ihre Oma erblickte, strahlte sie über das ganze Gesicht. Ohne zu zögern lief sie zu ihr, schloss sie fest in ihre Arme, küsste sie und konnte ihr Glück kaum fassen. Endlich war ihre Oma da. Genauso, wie sie es sich von Herzen gewünscht hatte.
Für einige Stunden rückte alles andere in den Hintergrund. Es wurde erzählt, gelacht und gemeinsam gefeiert. Es waren kostbare Augenblicke, die sich niemand hätte schöner wünschen können.
Natürlich durfte auch das Auspacken der Geschenke nicht fehlen. Besonders gespannt war Isabel auf ein riesengroßes Paket. Mit leuchtenden Augen öffnete sie es und zum Vorschein kam genau das, was sie sich gewünscht hatte: ein Safe.
Ja, tatsächlich ein Safe.
Als alle schmunzelnd nachfragten, wofür eine Neunjährige einen Tresor brauche, erklärte Isabel mit einer Ernsthaftigkeit, die alle tief berührte: Dort wolle sie ihre Süßigkeiten sicher vor ihrer Mutter aufbewahren. Nicht, weil sie sie ihrer Mama nicht gönne, sondern weil ihre Mama gesund bleiben solle und deshalb nicht so viele Süßigkeiten essen dürfe.
In diesem Moment wurde allen bewusst, wie sehr Kinder mitfühlen, mitdenken und lieben. Zwischen herzhaftem Lachen und stillen Blicken wurde dieser Satz zu einem der bewegendsten Momente des Tages.
Trotz aller Fröhlichkeit wusste jeder im Raum, dass die gemeinsame Zeit begrenzt war. Gerade deshalb wurde jede Minute besonders wertvoll. Im Krankenhaus angekommen, verabschiedete sich Christine mit rührenden Worten bei Ingrid, Sandra und Florian. Worte voller Dankbarkeit, die zeigen, warum es den Verein Rollende Engel gibt.



